Faultiers Blog http://faultier.blogsport.de Thu, 08 Jan 2009 02:17:53 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en …negiert das Horstprinzip! http://faultier.blogsport.de/2009/01/07/regiert-das-horstprinzip/ http://faultier.blogsport.de/2009/01/07/regiert-das-horstprinzip/#comments Wed, 07 Jan 2009 18:16:03 +0000 Administrator Gepisse http://faultier.blogsport.de/2009/01/07/regiert-das-horstprinzip/ Liebe linke (sorry, so wollt ihr ja nicht genannt werden) Raver!

Ihr führt ja momentan eine Debatte über Drogenkonsum in eurer Szene. Drogen haben aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften bekanntlich (Neben-)Wirkungen, die auch mal von Konsument zu Konsument verschieden sein können und somit diverse Vor- und Nachteile bieten. Man könnte meinen, dass es mit diesen Wirkungen und mit einem individuellen Geschmacksurteil über sie, das zur Entscheidung führt, bestimmte Drogen zu nehmen oder nicht bzw. es auch ganz bleiben zu lassen, erledigt ist, die Leistungen von Drogen zu beschreiben. Aber für euch müssen sie noch für etwas mehr herhalten.

Eine Funktion, die die Drogen selbst nicht erfüllen tragt ihr nämlich an sie heran: Immer wieder taucht das Lob von oder die Erfahrungsgeschichte mit Drogen in euren mit Rave!Bass!Bass!Tschingderassabummsbumms unterlegten Texten auf. Die Behauptung torsuns, einem der Obergurus in diesem Zusammenhang, „wichtig [wäre für ihn] immer nur, […] über die wirkungsweise und nebenwirkungen zu informieren“, ist dabei schlichtweg erfunden, schaut man sich das Propagieren des (übertriebenen) Ideals einer szenegemäßen Party im Video zum Song Lustprinzip an, dessen Inhalt im Übrigen darin besteht, Hedonismus1 zu einem Höchstwert zu erklären.

Auch die kurzfristig für den Ballermannhit Ten German Bombers (auch ein Werk des selben torsuns wenn ich recht entsinne) stattgefundene Umbenennung der ehemaligen Gruppe „Kritik&Praxis Berlin“ in „Koks&Pillen“ zeigt an, was als szeneauthentisch zu gelten hat.

Andere machen den Hedonismus (zu dem vor allem der Konsum von Drogen zu gehören hat) auch gerne mal zu einer moralischen Vorschrift (Stichwort „Lustfeindlichkeit“) oder erklären ihn zu einem emanzipatorischen Erfolg.

An anderer Stelle stellt man seinen Drogenfanatismus plakativ zur Schau und hält es allen Ernstes für ein gutes Argument, dass Drogen als (zum Selbstschutz verklärte) Reproduktionsmaßnahme im kapitalistischen Betrieb hergenommen werden können.

Alles in allem konstruiert man sich also – wie in solchen Szenen seit jeher üblich – eine Identität für eine Szene zurecht, zu deren Avantgarde zu gehören man nicht verpassen darf. Was es für die Zukunft zu erwarten gibt, sind wie auch schon zuvor nur neue Mittel anhand derer man sich seinen exklusiven Club aufbauen kann.

Herzallerliebst,
Euer Faultier :)

  1. Dabei wird mit diesem Begriff definiert, was als Spaß anerkannt wird und ein Allgemeininteresse für eine Szene in die Welt gesetzt, nach dem es zu streben gilt anstatt für sich herauszufinden, was einem Spaß bereitet [zurück]
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Israelsolidarität und was man Juden damit wünscht http://faultier.blogsport.de/2009/01/07/israelsolidaritaet-und-was-man-juden-damit-wuenscht/ http://faultier.blogsport.de/2009/01/07/israelsolidaritaet-und-was-man-juden-damit-wuenscht/#comments Wed, 07 Jan 2009 16:35:56 +0000 Administrator Allgemein http://faultier.blogsport.de/2009/01/07/israelsolidaritaet-und-was-man-juden-damit-wuenscht/ Liebe Freunde der Israelsolidarität,

unter euch gibt es ja manche, die voller Selbstbewusstsein behaupten, die Kritik am bürgerlichen Staat „immerhin“ gelernt zu haben, aber dass man im Falle Israels aufgrund des in der Geschichte immer wieder auftretenden – und in besonderer Härte während des Nationalsozialismus praktizierten – gewaltätigen bis vernichterischen Antisemitismus eine Ausnahme machen müsse1. Euch möchte ich freundlichst darauf hinweisen, was ihr da mit den Interessen von Juden veranstaltet.

Nimmt man die Kritik am bürgerlichen Staat ernst, stellt man fest, dass dieser unter Anderem mit dem Einrichten der kapitalistischen Ordnung, mit der Benutzung des Staatsvolks für seinen Erfolg und mit der Beobachtung und Bestrafung jener, die das anders haben wollen, seinen Untertanen schadet. Nun wollt ihr, dass im Falle der Juden eine Ausnahme von dieser Kritik – unterstellt ihr habt sie soweit verstanden – gemacht wird. Das heißt während ihr im Allgemeinen begriffen haben wollt wie die Interessen der Menschen in kapitalistischen Staaten geschädigt sind, reduziert ihr die Interessen von Juden im Speziellen auf ein jüdisches Gesamtinteresse nach Schutz vor Praktizierung von Antisemitismus. Das Interesse daran, all die genannten Schäden, die man unter einem solchen Staat erfährt loszuwerden, muss damit diesem Interesse weichen. Den Juden wünscht ihr ausgerechnet das Weiterbestehen eines solchen Staates als „ihr“ Mittel für das unterstellte übergeordnete Allgemeininteresse anstatt eine Kritik daran zu üben, dass etwa der Zweck des Gewinnmachens und nicht das Einzelinteresse gilt. Wer so denkt, solidarisiert sich mit dem Schädigen von Interessen und zwar im Besonderen jener der Juden.

Dass Israel des Weiteren gar kein brauchbares Mittel gegen Antisemitismus ist, sieht man nicht nur daran, dass Juden in den heutigen Tagen im Nahen Osten alles andere als ungefährdet leben. Dem Staat Israel kommt es auch überhaupt nicht auf die Beseitigung von Antisemitismus an, wenn er Krieg gegen Hamas & Co. führt, sondern er betreibt was jeder andere Staat auf der Welt auch tut – die Bestrafung derer, die sich gegen ihn und seine Ordnung stellen.2 Und im Umgang mit seinen Gegnern ist es dem Staat völlig egal, welche Ansichten diese haben. Ob das nun Antisemiten sind oder aber Kommunisten, denen es darum geht, dass die Leute ein vernünftiges Leben führen können: Auf den Inhalt kommt es weder dabei an, wenn eine Bedrohung für das Leben von Leuten ansteht (es steht also auch gar nicht an, die antisemitische Ideologie aus der Welt zu schaffen), noch wenn der Inhalt Argumente dafür liefert, wie die Leute ein vernünftigeres Leben führen können. Hier zählt nur ob jemand in Opposition zum Staatsprogramm steht und welche Mittel dagegen dem Staat angemessen erscheinen – von der Observierung über Freiheitsentzug bis zur Tötung durch kriegerische Maßnahmen.

Wenn man den Antisemiten ihre Fehler einmal nachweisen will, dann sieht man, dass dieser gerade ein Bestandteil nationalistischer Ideologien ist. Wie andere Formen des Rassismus beruht der – von mir aus „moderne“ – Antisemitismus nämlich auf Sortierung eines Staatsvolkes – auch wenn bei den Palästinensern auf einen Staat verwiesen wird, dessen Gründung man erst beabsichtigt.3. Auch wenn sich die Wahl der Mittel, die Sortierkriterien und die Feindbilder unterscheiden – eine Sortierung des Staatsvolks begeht auch Israel allemal. Was damit gesagt sein will: Wer sich mit Israel solidarisiert, mag zwar den Antisemitismus mancher Palästinenser für schlimm halten, unterschreibt aber gleichzeitig eine andere Form rassistischer Selektion.

Alles in allem ist so ein Staat also etwas, das ich weder euch, liebe Israelfans, noch den Israelis, noch den Palästinensern und – das darf erwähnt sein – auch nicht mir wünsche. Stattdessen möchte ich allen die Einsicht in die Fehler von Staat und Kapital und schließlich deren Beseitigung wünschen… Und außerdem noch einen schönen Tag!

Hochachtungsvoll,
Euer Faultier :)

  1. z.B. Stephan Grigat, der eine radikale Linke in Israel nur dafür nötig hält, soziale Missstände zu entdecken aber eine Kritik, die sich gegen den Staat richtet als ein No-Go ansieht. [zurück]
  2. Dies schließt – wie derzeit der Fall – kriegerische Maßnahmen mit ein, für die das eigene Staatsvolk benutzt wird. Soviel dazu, dass es um den Schutz der israelischen Staatsbürger ginge.[zurück]
  3. Dass dabei keine reale Bedrohung für eine Ordnung anstehen muss, ist übrigens keine Besonderheit des Antisemitismus, sondern gilt auch für andere Formen von Rassismus. [zurück]
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Empörung vs. Argument http://faultier.blogsport.de/2009/01/04/empoerung-vs-argument/ http://faultier.blogsport.de/2009/01/04/empoerung-vs-argument/#comments Sun, 04 Jan 2009 18:17:06 +0000 Administrator Allgemein http://faultier.blogsport.de/2009/01/04/empoerung-vs-argument/ Die Bloggerin Lahmacun verkündet derzeit auf ihrem Blog und an diversen anderen Stellen ihre Empörung darüber, wie schlimm sie es findet, dass es Personen gibt, die sich als Kommunisten bezeichnen, aber entweder dem israelischen oder palästinensischen Nationalismus zujubeln. Ein Argument dafür, warum besagte Linken damit einen Fehler begehen, bleibt sie allerdings schuldig. Mehr noch wehrt sie sich vehement dagegen, die Gründe für ihren eigenen Standpunkt erkennen zu lassen, was sie dadurch gerechtfertigt sieht, dass die Leserinnen und Leser ohnehin schon wüssten, was mit Nationalismus gemeint sei und wieso er verkehrt ist. Dies veranlasst mich dazu, ein paar Worte zu schreiben.

Liebe Lahmacun!

Wenn du dich hier – wie auf deinem Blog – über israelische und palästinensische Nationalisten, wie deren Befürworter aus der Linken empörst und auch noch meinst es sei doch ohnehin klar, was unter Nationalismus bzw. der Kritik an ihm zu verstehen sei, dann möchte ich dich gerne fragen ob dir dabei kein Widerspruch auffällt: Ohne Argumente zur Sache zu liefern bleibt deine Empörung konsequenzlos. Wie soll jemand von einer Position abgebracht werden, wenn ihm oder ihr nicht erklärt wird, wo die Fehler des jeweiligen Stanspunktes liegen? Oder willst du damit nur die inhaltslose Zustimmung (besser: bloße Bekenntnisse) von jenen abverlangen, die dir so abstrakt gesehen („xyz find‘ ich scheiße“) noch zunicken mögen. Doch selbst dann kann es ganz unterschiedliche (mitunter falsche) Standpunkte zum Nationalismus geben, die ohne den Streit um den Inhalt von Nationalismus kaum zutage treten werden. Es stellt sich also für mich die Frage was für dich der zweck von Kritik ist.

Wenn ich Kritik als Mittel dazu betrachte, jemandem eine falsche Ansicht nachzuweisen (zumindest lässt sich ja aus deinen Urteilen folgern, dass du etwas für falsch hälst) und diese bestenfalls noch zu beseitigen, dann muss ich meinen Standpunkt eben begründen. Sonst kann man sich die Urteile auch einfach sparen.

Was mit dem Nationalismus und seiner Anhängerschaft ansteht ist eben etwas anderes als die Verletzung linker Ideale (wie es in deinen Augen der Fall zu sein scheint), sondern der Wille bzw. das Gutheißen dessen, sich einer staatlichen Gewalt unterzuordnen. Alleine das Faktum, dass eine staatliche Gewalt eingerichtet werden soll, legt nahe was hier ansteht: die Schädigung von Interessen. Denn: Würden die Leute nach ihrem eigenen Willen sowieso gewisse Handlungen begehen, dann bedarf es auch keiner Gewalt, die sie an irgendetwas hindern oder zu irgendetwas bringen müsste.

Die Ausübung von Staatsgewalt dient dazu, gewisse Ordnungen zu etablieren bzw. aufrecht zu erhalten, denen sich das Staatsvolk fügen muss. Ob das ein kapitalistischer Staat ist, der das Eigentum herstellt und die Leute in Konkurrenz aufeinander loslässt / sie unter den Zwang der Lohnarbeit stellt, Imperialismus gegen andere Staaten betreibt etc. oder ob das ein Staat ist, der sich als Exekutivkraft des Wortes Gottes versteht oder was auch immer: das Einzelinteresse kommt darin nicht vor, sondern wird – wenn nötig mit Gewalt – dazu gebracht, sich zugunsten der jeweiligen Spielregeln zu verabschieden. Wer diesen Zustand kritisiert wird – je nach Wahl der Mittel – observiert oder bestraft (wer nach Konsequenzen der Kritik strebt (i.e. als aktive Opposition zur Ordnung auftritt) wird allemal mit der Strafverfolgung konfrontiert).

Das mal nur als Ansatzpunkt für eine hoffentlich stattfindende Diskussion über das, wofür sich Nationalisten so einsetzen.

Liebe Grüße,
Dein Faultier :)

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