…negiert das Horstprinzip!

Liebe linke (sorry, so wollt ihr ja nicht genannt werden) Raver!

Ihr führt ja momentan eine Debatte über Drogenkonsum in eurer Szene. Drogen haben aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften bekanntlich (Neben-)Wirkungen, die auch mal von Konsument zu Konsument verschieden sein können und somit diverse Vor- und Nachteile bieten. Man könnte meinen, dass es mit diesen Wirkungen und mit einem individuellen Geschmacksurteil über sie, das zur Entscheidung führt, bestimmte Drogen zu nehmen oder nicht bzw. es auch ganz bleiben zu lassen, erledigt ist, die Leistungen von Drogen zu beschreiben. Aber für euch müssen sie noch für etwas mehr herhalten.

Eine Funktion, die die Drogen selbst nicht erfüllen tragt ihr nämlich an sie heran: Immer wieder taucht das Lob von oder die Erfahrungsgeschichte mit Drogen in euren mit Rave!Bass!Bass!Tschingderassabummsbumms unterlegten Texten auf. Die Behauptung torsuns, einem der Obergurus in diesem Zusammenhang, „wichtig [wäre für ihn] immer nur, […] über die wirkungsweise und nebenwirkungen zu informieren“, ist dabei schlichtweg erfunden, schaut man sich das Propagieren des (übertriebenen) Ideals einer szenegemäßen Party im Video zum Song Lustprinzip an, dessen Inhalt im Übrigen darin besteht, Hedonismus1 zu einem Höchstwert zu erklären.

Auch die kurzfristig für den Ballermannhit Ten German Bombers (auch ein Werk des selben torsuns wenn ich recht entsinne) stattgefundene Umbenennung der ehemaligen Gruppe „Kritik&Praxis Berlin“ in „Koks&Pillen“ zeigt an, was als szeneauthentisch zu gelten hat.

Andere machen den Hedonismus (zu dem vor allem der Konsum von Drogen zu gehören hat) auch gerne mal zu einer moralischen Vorschrift (Stichwort „Lustfeindlichkeit“) oder erklären ihn zu einem emanzipatorischen Erfolg.

An anderer Stelle stellt man seinen Drogenfanatismus plakativ zur Schau und hält es allen Ernstes für ein gutes Argument, dass Drogen als (zum Selbstschutz verklärte) Reproduktionsmaßnahme im kapitalistischen Betrieb hergenommen werden können.

Alles in allem konstruiert man sich also – wie in solchen Szenen seit jeher üblich – eine Identität für eine Szene zurecht, zu deren Avantgarde zu gehören man nicht verpassen darf. Was es für die Zukunft zu erwarten gibt, sind wie auch schon zuvor nur neue Mittel anhand derer man sich seinen exklusiven Club aufbauen kann.

Herzallerliebst,
Euer Faultier :)

  1. Dabei wird mit diesem Begriff definiert, was als Spaß anerkannt wird und ein Allgemeininteresse für eine Szene in die Welt gesetzt, nach dem es zu streben gilt anstatt für sich herauszufinden, was einem Spaß bereitet [zurück]

2 Antworten auf “…negiert das Horstprinzip!”


  1. 1 feindbuilder 07. Januar 2009 um 19:30 Uhr

    du verdrehst dir einfach sachen wie du sie brauchst, is klar dass man sich ne argumentation zusammenbasteln kann wenn man den gegenstand einfach so verdreht, dass er einfach zu widerlegen scheint. aber kritik ist kein bastelbogen mein freund. zwei richtigstellungen:
    1. torsun schreibt nicht, es wäre “wichtig [für ihn] immer nur, […] über die wirkungsweise und nebenwirkungen zu informieren”, sondern er schreibt das es wichtig für jeden ist, der drogen nimmt genau das zu tun. er selbst hat nie behauptet er würde das für andere tun.
    2. wir behaupten auch nicht, drogen wären Selbstschutz, sondern jede form des escapismus sei es, zumindest hierzulande. und das die drogen zur reproduktion der arbeitskraft dienen ist nicht von der hand zu weisen. durch irgendwas muss sich der arbeiter von der ausbeutung erholen (was für eine altlinke begrifflichkeit)
    deine armut an argumenten spricht ansonsten für sich. danke – und fresse halten.

  2. 2 Administrator 07. Januar 2009 um 21:58 Uhr

    1. Tja da hab ich wohl einfach ein „mich“ überlesen bei torsun. Sorry dafür. Dann hat er halt nicht gelogen, was den Rest des ihn betreffenden Beitragsteils aber nicht zunichte macht.

    2. Ich sehe nicht wo ich „euch“ da falsch verstanden hätte. Was gibt es denn da genau abzufeiern dran?

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