Empörung vs. Argument

Die Bloggerin Lahmacun verkündet derzeit auf ihrem Blog und an diversen anderen Stellen ihre Empörung darüber, wie schlimm sie es findet, dass es Personen gibt, die sich als Kommunisten bezeichnen, aber entweder dem israelischen oder palästinensischen Nationalismus zujubeln. Ein Argument dafür, warum besagte Linken damit einen Fehler begehen, bleibt sie allerdings schuldig. Mehr noch wehrt sie sich vehement dagegen, die Gründe für ihren eigenen Standpunkt erkennen zu lassen, was sie dadurch gerechtfertigt sieht, dass die Leserinnen und Leser ohnehin schon wüssten, was mit Nationalismus gemeint sei und wieso er verkehrt ist. Dies veranlasst mich dazu, ein paar Worte zu schreiben.

Liebe Lahmacun!

Wenn du dich hier – wie auf deinem Blog – über israelische und palästinensische Nationalisten, wie deren Befürworter aus der Linken empörst und auch noch meinst es sei doch ohnehin klar, was unter Nationalismus bzw. der Kritik an ihm zu verstehen sei, dann möchte ich dich gerne fragen ob dir dabei kein Widerspruch auffällt: Ohne Argumente zur Sache zu liefern bleibt deine Empörung konsequenzlos. Wie soll jemand von einer Position abgebracht werden, wenn ihm oder ihr nicht erklärt wird, wo die Fehler des jeweiligen Stanspunktes liegen? Oder willst du damit nur die inhaltslose Zustimmung (besser: bloße Bekenntnisse) von jenen abverlangen, die dir so abstrakt gesehen („xyz find‘ ich scheiße“) noch zunicken mögen. Doch selbst dann kann es ganz unterschiedliche (mitunter falsche) Standpunkte zum Nationalismus geben, die ohne den Streit um den Inhalt von Nationalismus kaum zutage treten werden. Es stellt sich also für mich die Frage was für dich der zweck von Kritik ist.

Wenn ich Kritik als Mittel dazu betrachte, jemandem eine falsche Ansicht nachzuweisen (zumindest lässt sich ja aus deinen Urteilen folgern, dass du etwas für falsch hälst) und diese bestenfalls noch zu beseitigen, dann muss ich meinen Standpunkt eben begründen. Sonst kann man sich die Urteile auch einfach sparen.

Was mit dem Nationalismus und seiner Anhängerschaft ansteht ist eben etwas anderes als die Verletzung linker Ideale (wie es in deinen Augen der Fall zu sein scheint), sondern der Wille bzw. das Gutheißen dessen, sich einer staatlichen Gewalt unterzuordnen. Alleine das Faktum, dass eine staatliche Gewalt eingerichtet werden soll, legt nahe was hier ansteht: die Schädigung von Interessen. Denn: Würden die Leute nach ihrem eigenen Willen sowieso gewisse Handlungen begehen, dann bedarf es auch keiner Gewalt, die sie an irgendetwas hindern oder zu irgendetwas bringen müsste.

Die Ausübung von Staatsgewalt dient dazu, gewisse Ordnungen zu etablieren bzw. aufrecht zu erhalten, denen sich das Staatsvolk fügen muss. Ob das ein kapitalistischer Staat ist, der das Eigentum herstellt und die Leute in Konkurrenz aufeinander loslässt / sie unter den Zwang der Lohnarbeit stellt, Imperialismus gegen andere Staaten betreibt etc. oder ob das ein Staat ist, der sich als Exekutivkraft des Wortes Gottes versteht oder was auch immer: das Einzelinteresse kommt darin nicht vor, sondern wird – wenn nötig mit Gewalt – dazu gebracht, sich zugunsten der jeweiligen Spielregeln zu verabschieden. Wer diesen Zustand kritisiert wird – je nach Wahl der Mittel – observiert oder bestraft (wer nach Konsequenzen der Kritik strebt (i.e. als aktive Opposition zur Ordnung auftritt) wird allemal mit der Strafverfolgung konfrontiert).

Das mal nur als Ansatzpunkt für eine hoffentlich stattfindende Diskussion über das, wofür sich Nationalisten so einsetzen.

Liebe Grüße,
Dein Faultier :)


2 Antworten auf “Empörung vs. Argument”


  1. 1 lahmacun 07. Januar 2009 um 19:00 Uhr

    tag.

    wenn ich mal die anstehende (lohn)arbeit abgerackert habe, finde ich hoffentlich zeit für eine halbwegs vernünftige antwort. wird aber wahrscheinlich sonntag werden.

  2. 2 Administrator 07. Januar 2009 um 23:35 Uhr

    das faultier wäre hoch erfreut :)

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